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Anliegen von A - Z

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Von den rund 2,1 Millionen Pflegebedürftigen werden in Deutschland fast eine Million ausschließlich von Angehörigen zuhause betreut - zu etwa 75 Prozent von Frauen.

Dazu kommen noch einmal fast 500.000, die zuhause leben und (zusätzlich) die Hilfe von Pflegediensten in Anspruch nehmen. Bei der Umsetzung des Leitbildes "ambulant vor stationär" und dem (wenngleich geringen) Pflegegeld für Angehörige setzt die deutsche Pflegeversicherung auf das klassische Familienmodell mit leicht modernisierter Arbeitsteilung: Der Mann ist Haupternährer, die Frau Hinzuverdienerin - mit der Hauptverantwortung für Kinder und/oder für Alte zu sorgen. Erst im Rentenalter holen Männer auf, doch dann wird auch ihre Sorgeleistung selten wahrgenommen und kaum anerkannt.

Gesetzliche Regelungen, die helfen den Spagat zwischen Pflege und Beruf hinzubekommen

Anders als bei der Kindererziehung ist der Verlauf der Pflege alter oder kranker Menschen in der Regel nicht planbar.  Akute Pflegesituationen treten oft plötzlich auf. Folgende Gesetze sollen erwerbstätigen Pflegenden ermöglichen, flexibel auf die jeweilige Pflegesituation zu reagieren:

  • Alles andere als einfach - aber möglich
    Eine eigene Berufstätigkeit mit der Pflege von Angehörigen zu vereinbaren, ist nicht immer einfach. Das "Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf" (seit 1.1.2015 in Kraft) will hier Brücken bauen. Es beinhaltet einen Rechtsanspruch auf Pflegeunterstützungsgeld im Akutfall, auf eine 6-monatige Pflegezeit mit Darlehnsanspruch sowie auf eine Arbeitszeitreduzierung bis zur Dauer von maximal zwei Jahren zum Zwecke der Pflege (Familienpflegezeitgesetz).
  • 10-tägige Auszeit im Akutfall mit Lohnersatzleistung
    Beschäftigte, die kurzfristig Zeit für die Organisation einer neuen Pflegesituation benötigen, können bis zu 10 Tagen von der Arbeit fern bleiben. Diese kurzzeitige Arbeitsverhinderung ist mit einem Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld verbunden (vergleichbar dem Kinderkrankengeld), einer Lohnersatzleistung, die den Verdienstausfall in dieser Zeit zu einem Großteil (ca. 90 Prozent) auffängt.
  • Sechs Monate Pflegezeit mit zinslosem Darlehen und Rechtsanspruch
    Beschäftigte haben einen Rechtsanspruch auf eine vollständige oder teilweise Freistellung von bis zu sechs Monaten, der durch einen Anspruch auf ein zinsloses Darlehen ergänzt wird. Dieses Darlehen zur besseren Absicherung des Lebensunterhalts kann direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragt werden. Das Darlehen wird in monatlichen Raten ausgezahlt und deckt die Hälfte des durch die Arbeitszeitreduzierung fehlenden Nettogehalts ab. Auf entsprechenden Antrag kann auch ein niedrigeres Darlehen - bis zu einer Mindesthöhe von 50 Euro monatlich - in Anspruch genommen werden. Der Rechtsanspruch auf diese 6-monatige Pflegezeit besteht aber nur in Betrieben mit 16 oder mehr Beschäftigten.
  • Familienpflegezeit als Rechtsanspruch mit zinslosem Darlehen
    Weiterhin können sich Beschäftigte für die Dauer von bis zu 24 Monaten bei einer verbleibenden Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden teilweise freistellen, wenn sie einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen. Zusätzlich haben sie (wie bei der Pflegezeit) einen Anspruch auf ein zinsloses Darlehen. Der Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit gilt allerdings nicht gegenüber Arbeitgebern mit 25 oder weniger Beschäftigten.
  • Erweiterter Begriff der nahen Angehörigen
    Neben den Großeltern und Eltern, Schwiegereltern, Ehegatten, Lebenspartnern, Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft, Geschwister, Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder Lebenspartners, Schwieger- und Enkelkinder gelten seit dem 1. Januar 2015 auch Stiefeltern, Schwäger/innen und lebenspartnerschaftsähnliche Gemeinschaften als nahe Angehörige.
  • Betreuung pflegebedürftiger Kinder
    Auch können Beschäftigte (Eltern) für ein pflegebedürftiges Kind, das nicht zu Hause, sondern in einer außerhäuslichen Einrichtung betreut wird, wahlweise und flexibel, wie bei der Pflegezeit, eine maximal 6-monatige vollständige oder teilweise Freistellung oder wie bei der Familienpflegezeit eine maximal 24-monatige teilweise Freistellung in Anspruch nehmen.
  • Begleitung in der letzten Lebensphase
    In der letzten Lebensphase - zum Beispiel wenn ein Angehöriger im Hospiz ist - besteht für maximal 3 Monate ebenfalls die Möglichkeit, die Arbeitszeit ganz oder teilweise zu reduzieren, um den nahen Angehörigen zu begleiten.

(Quelle: Landesstelle Pflegende Angehörige NRW, Was ist wenn…? 24 Fragen zum Thema Häuslichen Pflege,  www.LPFA-nrw.de )


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